Weltmeere erreichen neuen Hitzerekord

Die Oberflächentemperaturen der Weltmeere haben einen neuen Höchststand für diese Jahreszeit erreicht. In Verbindung mit einem sich verstärkenden El Niño wächst die Gefahr weiterer Hitzewellen und extremer Wetterereignisse.

Am 21. Juni stieg die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Meere ausserhalb der Polarregionen auf 20,86 Grad Celsius. Der Copernicus-Meeresdienst kam mit einer etwas anderen Berechnungsmethode sogar auf 21 Grad. Damit wurden die bisherigen Höchstwerte aus den Jahren 2023 und 2024 übertroffen. Es handelt sich um einen Rekord für diese Jahreszeit – die höchsten Meerestemperaturen werden normalerweise erst im Juli oder August gemessen. Weitere Rekorde in den kommenden Wochen sind deshalb nicht ausgeschlossen.

Besonders beunruhigend ist, dass die aussergewöhnliche Erwärmung mit dem Beginn eines neuen El-Niño-Ereignisses zusammenfällt. Bei El Niño erwärmt sich der zentrale und östliche tropische Pazifik ungewöhnlich stark. Dadurch verändern sich Luftströmungen und Niederschlagsmuster rund um den Globus. Die Weltwetterorganisation WMO rechnet für den Sommer 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent mit El Niño. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Phänomen bis mindestens November anhält, liegt bei rund 90 Prozent. Die Modelle gehen von einem mindestens mittelstarken, möglicherweise starken Ereignis aus.

Copernicus warnt vor Folgen für das globale Klima, regionale Wettermuster und die Meeresökosysteme. Wärmere Ozeane geben mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre ab. Das kann Hitzewellen verstärken, heftigere Niederschläge begünstigen und tropischen Stürmen zusätzliche Energie liefern. Gleichzeitig geraten Korallenriffe, Fischbestände und andere Meereslebewesen unter Druck.

Die Ozeane nehmen mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme auf, die sich durch den menschengemachten Treibhauseffekt im Klimasystem ansammelt. Sie bremsen damit zunächst die Erwärmung der Atmosphäre, speichern die Energie jedoch über lange Zeit. Die zunehmende Erwärmung der Meere zeigt deshalb besonders deutlich, wie stark das globale Klimasystem inzwischen aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Bereits der Meeresrekord vom Juni 2023 ging einem starken El Niño sowie einer Phase verheerender Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme voraus. Ob sich diese Entwicklung nun wiederholt, lässt sich noch nicht sicher sagen. Das Zusammentreffen langfristiger, menschengemachter Erwärmung mit einem möglicherweise aussergewöhnlich starken El Niño erhöht jedoch das Risiko, dass 2026 und 2027 weitere Temperatur- und Wetterextreme bringen.