Der Traum vom Einfamilienhaus gehört endlich ausgeträumt

Die Idylle und der vermeintliche Traum. Ein freistehendes Einfamilienhaus im Grünen. Foto: phb
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Aufgrund der Pandemie wünschen sich immer mehr Menschen eine grössere Wohnung oder ein Einfamilienhaus im Grünen. Der Wunsch nach einem freistehenden Häuschen «auf dem Land» ist nachvollziehbar, ökologisch ist er aber unsinnig und egoistisch. Das muss endlich aufhören.

Fast jede zweite Person in der Schweiz möchte in einem freistehenden Haus mit Garten leben. Das ist das Ergebnis einer soeben gemeinsam publizierten Studie von Schweizer Versicherungen und Hypothekenanbietern. Vor allem seit Ausbruch der Pandemie hat sich dieser Wunsch noch verstärkt. In der Stadt wollen hingegen nur noch gut ein Fünftel der Befragten wohnen. Immer mehr Menschen zieht es derzeit also aus den Städten hinaus aufs «Land». 

Wer ein bestehendes Haus kaufen möchte, ist gemäss Umfrage derzeit durchschnittlich ein Jahr mit der Suche beschäftigt. Ein bereits gebautes Haus zu kaufen ist immerhin ökologisch sinnvoller als ein neues zu bauen. Noch immer haben die Menschen die völlig irrationale Vorstellung, ihr eigenes Haus auf einer grünen Wiese zu bauen, möglichst am Siedlungsrand mit Sicht ins Freie ohne Nachbarn.

Mit dem «eigenen» Haus wollen sich viele Menschen einen Traum erfüllen. Es geht darum, ein eigenes Territorium zu haben, in dem man angeblich selber entscheiden kann, was man tun und lassen möchte. Es ist ein Stück angeblicher «Freiheit», die sich meist jene Menschen gönnen wollen, die in der Regel ein angepasstes und konformistisches Leben führen. Die «Freiheit» ist also oft nur eine Illusion, die sich in der Konformität der oft sich gleichenden Häuschen in der Reihe eines Quartiers auflöst.

Der «Bau-Boom», wie er in den Medien oft unhinterfragt genannt wird, hält ununterbrochen an. Solange gebaut wird, geht es der Wortschaft schliesslich gut, so der kollektive Tenor. Was will ein Land mehr als eine boomende Baubranche? In den vergangenen zehn Jahren wurden in der Schweiz mehr als 50’000 neue Einfamilienhüsli auf grüne Wiesen gestellt. Mittlerweile stehen 1.1 Millionen davon in der Landschaft herum. 

Der Traum vom eigenen Haus im Grünen ist aber in höchstem Masse egoistisch und ökologisch unsinnig. Jedes neu gebaute Haus verdrängt weitere Quadratmeter Grünfläche (im Durchschnitt 500 bis 700 Quadratmeter pro Einfamilienhaus) und schmälert die Biodiversität, weil dadurch Land versiegelt wird und in der Regel auch neue Strasseninfrastrukturen parallel entstehen. Einfamilienhäuser sind ausserdem der Hauptgrund für Zersiedelung. 

Der Traum eines Hauses im Grünen sogt nicht nur für eine schlechte Klimabilanz, sondern ist auch irrational und widersprüchlich. Während sich Leute nach einem Haus in der grünen Idylle sehnen, sorgen sie gleichzeitig dafür, dass dieser Traum für nachkommende Generationen immer unwahrscheinlicher wird, weil Grünflächen immer rarer werden.

Einfamilienhäuser haben Einfluss Verkehr

Wer ausserhalb einer Stadt oder Agglomeration lebt, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit mit seinem Auto in die Stadt zur Arbeit oder zum Einkaufen pendeln, weil öffentliche Verkehrsmitel in ländlichen Regionen noch immer unregelmässig verkehren. Wer im Grünen lebt, ist also auch für mehr Verkehr auf den Strassen verantwortlich. 2019 benutzten gemäss Statistik 51 Prozent der Menschen in der Schweiz ihr eigenes Auto, um zur Arbeit zu kommen. In der Regel sitzt nur eine Person in einem Fahrzeug. Die Auswirkungen können jeden Morgen und Abend auf den Strassen von Schweizer Städten beobachtet werden. Stau und Chaos, Abgase und Lärm.

Der Fetisch aufs eigene Haus sollte endlich hinterfragt werden. Ist es wirklich notwendig, ein eigenes Haus zu besitzen und den eigenen Kindern einen überdurchschnittlichen Flächenverbrauch vorzuleben? 

Gleichzeitig müssen Städte endlich dafür sorgen, dass sie eine ideale Lebensgrundlage für Familien bieten und Menschen weniger das Bedürfnis haben, aus der Stadt wegzuziehen. Das heisst, mehr bezahlbaren Wohnraum bei Miet- oder Eigentumswohnungen und ein besseres Betreuungsangebot für Kinder. Auch mehr Grünflächen wie Parks in den Städten, sowie sichere Schulwege für Kinder sowie Radwege und generell mehr Lebensräume zum Wohlfühlen für alle Menschen.

Es ist Zeit für eine Bauwende, die unsere Wohn- und Lebensstile grundsätzlich in Frage stellt.

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