Beschleunigte Erderwärmung: Neue Studie zeigt deutlich schnelleren Temperaturanstieg seit 2015
Beschleunigte Erderwärmung: Neue Studie zeigt deutlich schnelleren Temperaturanstieg seit 2015
Eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt, dass sich die Erde in den vergangenen Jahren deutlich schneller erwärmt hat als zuvor. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass sich der langfristige Erwärmungstrend seit etwa 2015 erheblich beschleunigt hat.
Die beiden Klimaforscher Stefan Rahmstorf und Grant Foster untersuchten für ihre Studie fünf verschiedene globale Temperaturdatensätze. Um den tatsächlichen langfristigen Trend sichtbar zu machen, entfernten sie dabei natürliche Einflüsse auf das Klima. Dazu zählen etwa das Wetterphänomen El Niño, Vulkanausbrüche oder Schwankungen der Sonnenaktivität. Durch diese Bereinigung konnten sie das zugrunde liegende Erwärmungssignal klarer erkennen.
Die Ergebnisse sind deutlich: Zwischen 1970 und 2015 stieg die globale Durchschnittstemperatur im Schnitt um rund 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt. In den vergangenen zehn Jahren lag der Anstieg jedoch bereits bei etwa 0,35 Grad pro Jahrzehnt. Damit hat sich die Geschwindigkeit der Erwärmung nahezu verdoppelt. Laut den Forschern lässt sich erstmals eine statistisch signifikante Beschleunigung der globalen Erwärmung nachweisen.
Besonders alarmierend ist der Blick auf die internationalen Klimaziele. Im Jahr 2024 überschritt die globale Durchschnittstemperatur erstmals die Marke von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Dieses Limit gilt im Rahmen des Pariser Klimaabkommens als wichtige Schwelle, um schwerwiegende Folgen der Erderwärmung möglichst zu begrenzen. Sollte sich die derzeitige Erwärmungsrate fortsetzen, könnte diese Grenze bereits vor dem Jahr 2030 dauerhaft überschritten werden.
Die Studie selbst untersucht vor allem die Temperaturentwicklung und nennt keine eindeutigen Ursachen für die jüngste Beschleunigung. Neben den weiterhin hohen Treibhausgasemissionen wird in der Forschung jedoch auch ein anderer Faktor diskutiert: die Verbesserung der Luftqualität. Feine Schmutzpartikel in der Atmosphäre können einen kühlenden Effekt auf das Klima haben, da sie einen Teil der Sonnenstrahlung reflektieren. Wenn diese Partikel durch strengere Umweltmaßnahmen zurückgehen, kann sich das Klima schneller erwärmen.
Klimaforscher warnen, dass mit jedem weiteren Zehntelgrad die Risiken für extreme Wetterereignisse zunehmen. Häufigere Hitzewellen, stärkere Stürme, Überschwemmungen und Dürren könnten in vielen Regionen der Welt zur neuen Realität werden. Zudem besteht die Gefahr, dass wichtige Elemente des Klimasystems sogenannte Kipppunkte erreichen, an denen sich Veränderungen nicht mehr rückgängig machen lassen.
Vor diesem Hintergrund betonen Wissenschaftler erneut die Bedeutung schneller und umfassender Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Dazu gehört vor allem der beschleunigte Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas.
Die Studie macht deutlich: Die Klimakrise schreitet nicht nur weiter voran – sie gewinnt möglicherweise auch an Tempo.