Staatliche Subventionen sind schlecht für Artenvielfalt

Biodiversität und Artenvielfalt sind bedroht und gehen zurück. Gleichzeitig erhalten fragwürdige und schädliche Projekte Subventionen von der öffentlichen Hand. Im Bild ein Sportplatz im st. gallischen Rorschach. Foto: phb
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Eigentlich hat sich die Schweiz dazu verpflichtet, bis 2020 keine Subventionen mehr an biodiversitätsschädigende Projekte zu vergeben. Dennoch erhalten auch heute noch mehr als 160 Projekte Geld vom Bund, die zum Verlust der Artenvielfalt und Lebensräumen führen. Das geht aus einer Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hervor.

Die Schweiz gibt jährlich 500 Millionen bis 1.5 Milliarden Franken aus, um Schäden in der Umwelt und dem Verlust der Artenvielfalt zu verhindern oder abzuwenden. Die Kosten steigen sogar noch an, wegen Ernteausfällen oder anderen landwirtschaftlichen Mitteln, die nötig werden aufgrund des Arten- und Bioverlusts.

Laut einer am Montag veröffentlichten Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und dem Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) gibt es in der Schweiz noch immer 162 Subventionen, die der Biodiversität eigentlich schaden.

Obwohl Subventionen eigentlich Schäden verhindern oder zumindest verringern sollten, bewirken sie gerade das Gegenteil. «Subventionen dienen dazu, die Produktion oder den Konsum zu verbilligen», erklärte Irmi Seidl vom WSL und Mitautorin der Studie heute im Tagesgespräch bei SRF.

Bei Vergabe wird nicht auf Umwelt-Effekte geachtet

Wenn jedoch etwas staatlich verbilligt werde, bedeute dies einen höheren Ressourcenverbrauch, so Seidl. Dies wiederum habe eine höhere Schädigung der Artenvielfalt zur Folge. Problematisch dabei sei, dass «bei der Subventionsvergabe nicht die Effekte auf die Umwelt berücksichtigt werden.» Solche Subventionen seien daher – wie alles in der Wirtschaft – «naturvergessen», so Seidl.

Eigentlich hat sich die Schweiz 2012 mit verschiedensten anderen Ländern vertraglich in einer Biodiversitätskonvention verpflichtet, dass sie schädliche Subventionen bis Ende 2020 streichen möchte. Das Problem ist wie mit allen Unterstützungen und Privilegien. Wer einmal profitiert hat, will auch weiterhin profitieren. Geld wieder wegzunehmen ist schwierig.

Die Studienautor:innen gehen davon aus, dass bis zu 40 Milliarden Subventionen pro Jahr der Artenvielfalt schaden. Besonders schädlich sind laut der Studie Subventionen beim Strassenverkehr. Gleichzeitig sei in der Umweltpolitik noch nicht erkannt worden, welches Potenzial Subventionen eigentlich hätten, würde man sie richtig und gezielt einsetzen.

Der Verlust von Arten und der Biodiversität hat auch wirtschaftliche Auswirkungen. «In 30 Jahren dürften die Verluste der Ökosystemleistungen wie Schwund fruchtbarer Böden oder Abnahme sauberen Wassers rund vier Prozent des BIP betragen», heisst es in der Studie.

Die Studie, die auch von Pro Natura, BirdLife Schweiz und der Stiftung Temperatio unterstützt wurde, ist hinsichtlich der Funktion von Subvebtionen sehr aufschlussreich.

Genauso hörenswert ist das Gespräch mit Irmi Seidl. Nebst dem Subventionsthema erklärt sie auch typische Resetter-Themen wie der fatale Glaube an das unendliche Wirtschaftswachstum, Überkonsum oder die Tatsache, dass es ein Irrglaube ist, mit Technologien ökologische Probleme zu lösen.

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