Covid-19: Medien versäumen es, die Krise richtig zu erklären

Neben der Klima- und Coronakrise steckt unsere Gesellschaft auch in einer Vermittlungs- und Kommunikationskrise. Medien haben zunehmend Mühe, Komplexität so abzubilden, dass sie für alle Menschen verständlich ist. Deutlich zeigt sich das aktuell bei der Covid-19-Pandemie, wie der Berliner Künstler Stefan Robert kommentiert.

Was mir aufgefallen ist bei der medialen Berichterstattung über die Pandemie ist, dass völlig versäumt wurde gewisse Basics der Epidemiologie zu vermitteln, zum Beispiel den Unterschied zwischen eingesessenen Viren und Zoonosen. Viele Leute haben den Begriff Zoonose jetzt im zwölften Pandemie-Monat noch nie gehört, obwohl «wir» so viele neue Begriffe letztes Jahr gelernt haben. Es wurde afaik lediglich von Faktencheckern und vom Drosten-Podcast aufgegriffen, zu verdeutlichen, dass SARS1, SARS2 und MERS neuartige Coronaviren sind die von Tieren kommen und eben nicht vergleichbar sind mit eingesessenen Corona Viren die nur Erkältungs-Symptome bewirken.

Die Medien, oder viele, wollen immer «News», irgendwelche neusten Erkenntnisse, die die Leute eh in den falschen Hals kriegen, wenn der Kontext im Vagen bleibt. Und relevanter Kontext wäre zum Beispiel, zu erklären, was der Unterschied zwischen einem pandemischen Virus der von einem anderen Tier kommt und «Neuland» betreten hat und einem eingesessenen Virus ist der sich an seinen Wirt angepasst hat und dessen Immunsystem andersherum auch. 

Wichtiger als Halbwissen über die neuesten Mutationen des Virus wäre erstmal eher Grundwissen zu vermitteln, von mir aus sogar im Stil der Sendung mit der Maus. Im Massenbewusstsein ist da angekommen, es gibt die Oberkategorie «Viren» und dann gibt es da wohl irgendwelche gefährlichen und ungefährlichen Viren, und Corona ist jetzt wohl noch mutiert. Und dann werden viele durch die Verwandtschaftsbeziehungen irritiert.

Eine Metapher würde das ganze sehr vereinfachen: Wenn die saisonale Grippe die Hauskatze ist, dann sind die eingesessenen Coronaviren der Haushund. Die 1918er Grippe-Pandemie war dann aber ein Tiger, und die momentane Pandemie ist ein Wolf, zwar kein Tiger, aber eben auch kein Hundi und keine Miezekatze.

Es ist also relativ, wie wir kategorisieren, denn in Bezug auf die Gefährlichkeit für den Menschen haben Tiger und Wolf mehr gemeinsam als Tiger und Hauskatze. Der Vergleich zwischen SARS2 und der saisonalen Grippe wäre somit der Vergleich zwischen Wolf und Hauskatze. Was weder aus genetischer, noch aus Domestikations-Perspektive Sinn ergibt. So würden das auch Laien verstehen.

Stattdessen greifen sich die Medien häufig Detailwissen heraus, was sie dann so verkürzen, dass nur Leute die eh tiefer drin sind in der Materie, sei es «nur» durch Verfolgen des Drosten-Podcasts, auch richtig kontextualisieren können, während viele andere Bildungsschichten auf der Strecke bleiben, weil irgendwie niemand die Basics in einfacher Sprache erklärt, das betrachte ich wirklich als Versäumnis in der ganzen Sache.

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